Das Summen mit den Lippen

 

Hallo, liebe trompetenbegeisterten LeserInnen,

 

was hat es mit dem Summen/Buzzen der Lippen für das Trompetenspiel auf sich? Sollte es ein fester Bestandteil in meinem täglichen Üben sein? Macht es Sinn? Auch mit Blick auf die Höhe? Oder ist es ein Aspekt, den ich als Lehrer vornehmlich mit Anfängern im Unterricht erarbeite, um einen stabilen Ansatz und dessen Bedeutung zu erklären?

 

Beim Recherchieren bin ich auf ein Buch von Dr. Wolfgang Hemminger gestoßen. Das Buch „Eine kleine Physik der Blechblasinstrumente“ schenkten mir vor vielen Jahren Freunde aus Braunschweig. Wolfgang Hemminger arbeitete an der PTB – Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig. Damals empfand ich das Buch als sehr theoretisch, ich stand auf dem Standpunkt, dass zu viel Analyse in der Methodik die Natürlichkeit des Musikzierens ausbremsen würde und habe es nur überflogen. Doch heute nach meiner jahrzehntelangen Unterrichtstätigkeit hat sich der Blickwinkel verändert. 

 

Anhand seiner Aussagen zu den physikalischen Prozessen beim Trompetespielen kann man sehr gut einen roten Faden für die Methodik beim Trompetespielen erkennen. 

 

In seinem Buch schreibt er, dass die durch den Luftstrom zum Schwingen angeregten Lippen den Ton erzeugen. Je nach Häufigkeit des Öffnens und Schließens der Lippen sind sie für die Tonhöhe verantwortlich. Es entstehen kleine Druckimpulse, die die Luftsäule im Instrument in Schwingung versetzen.  Dabei ist die in das Instrument hineinfließende Luft für die Erzeugung und Aufrechterhaltung des Tons verantwortlich. Für diesen Vorgang wird keine gewaltige Luftmenge benötigt. Messungen zeigten, dass relativ wenig Luft durch das Instrument fließt, etwa nur 10% der aufgewendeten Energie. Der andere Anteil wird für den Ausgleich der Reibungsverluste der Luftsäule und damit verbunden für das Schwingen der

 

Das Schwingen der Lippen Es ist nicht schwer, die Lippen  zum Schwingen zu bringen. Aber wie sollte es klingen? Für einen formvollendeten Klang auf dem Instrument?

 

Das Buzzen auch als Muskeltraining Wenn man das Buzzen richtig übt und man sensibler wird, ist es eine große Bereicherung für den Klang und auch für die Höhe. Die Lippen und der Mundringmuskel gewinnen an Kraft und man versucht nicht mittels Druck mit dem Mundstück die Lippen zum Schwingen zu bringen. In der Höhe ist es eher möglich, einen stabilen Ansatz zu behalten, um die Luft fließen lassen und den damit verbundenen Klang frei spielen zu können

 

Wie übe ich Buzzen? Bei meinen Schülern beobachte ich häufig, dass sie als Ausgangspunkt eine bestimmte persönliche Tonhöhe bevorzugen. Die Klangfarben sind sehr vielfältig: tiefe, dunkle oder höhere, feinere, auch flache, wenig resonanzreiche oder eher volle Klänge.

 

Für eine differenzierte Klanggestaltung sollte der Ansatz in sich ruhig und gefestigt sein. Problematisch ist das Auseinanderziehen der Lippen (man läuft Gefahr, dass man über eine Art Kante bläst und weniger mit den schwingenden Lippen). Schaue Dir auf Bildern den Mundringmuskel, den Musculus orbicularis oris an. Die Veranschaulichung hilft, ihn sich besser vorzustellen. Mit weiteren Hilfsmitteln wie u.a. mit einem Luftröhrchen, das ich mitentwickelt habe, kann man das Gefühl der gleichmäßigen Kontraktion gut erspüren.

 

Der gesamte Körper als Resonanzkörper. Die Zungenposition spielt eine große Rolle, sowie die körperliche und mentale Einstellung für den Klang, den ich erzeugen möchte. Singe ich beim Buzzen meinen Klang, wie ein Sänger oder eine Sängerin, öffne ich Resonanzräume im Körper, die sich unmittelbar auf den Klang auswirken. Beteiligt sind daran die Atmung, der Umkehrprozess der Ein- und Ausatmung, die Klangvorstellung und die Spielfreude, das Musizieren selbst.

 

Experimentiere mit dem Buzzen. Am Ende des Beitrags findest Du zwei einfache Übungen dazu. Suche Deinen persönlichen Ausgangston und begebe Dich spielerisch auf eine Entdeckungsreise. Schaue, wie sich die Beschäftigung mit dem Summen auf Dein Trompetenspiel auswirkt. Benenne die kleinen Fortschritte für Dich persönlich und schwimme nicht in einem großen Pool mit diversen Variablen.

 

Folgende Gedanken dazu:

  • Hat die Zungenposition auf den Klang eine Auswirkung? Probiere die Vokale o, u, a, e, i aus.
  • Hört es sich anders an, wenn ich das Gefühl habe, ich würde eine Scheibe anhauchen oder wenn ich vehement „ji“ formen würde? Hier rückt der Zungenrücken ins Blickfeld.
  • Bleibt das Ansatzbild mit der ringartigen Kontraktion der Lippen bei den verschieden Tonhöhen gleich oder ziehe ich fälschlicherweise die Mundwinkel bei den höheren Tönen auseinander?
  • Schaffe ich es, Töne beim Summen anzustoßen?
  • Höre ich einen Unterschied im Klang, wenn ich tief oder flach einatme?

Wenn Du Lust hast, schreibe mir gerne, wie Deine Erfahrungen sind. Ich danke auch allen ganz herzlich, die mir zu dem Thema hohe Töne geschrieben haben.

 

Ich wünsche Euch allen eine gute Woche, bleibt gesund!

 

Es grüßt Euch herzlich,

Eure Rita